BOSCH und Nvidia bauen Fahrzeugcomputer für Autonomes Fahren

BOSCH und Nvidia bauen Fahrzeugcomputer für Autonomes Fahren
20.04.2017 Rainer Wiedmann
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BOSCH und Nvidia, ein US-amerikanischer Chiphersteller, kooperieren, um gemeinsam intelligente Systeme für autonome Fahrzeuge zu entwickeln. Das gaben die beiden Unternehmen im März diesen Jahres bekannt. Nvidia bietet u.a. einen Chip an, auf dem ein komplettes Computersystem untergebracht werden kann. Zudem besitzt es große Expertise im Bereich Grafikkarten und -software und Deep Learning. BOSCH wiederum steuert die Algorithmen bei, die das System dazu befähigt, komplexe Verkehrssituationen zu beurteilen und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Autonome Fahrzeuge brauchen potente intelligente Systeme

Intelligente und zukunftsfähige Steuersysteme müssen in der Lage sein, eine Vielzahl an Daten zu Verkehrsverhältnissen, Wetterbedingungen, dem Zustand von Straßen und dem Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer in Sekundenbruchteilen aufzunehmen und zu analysieren. Doch damit nicht genug. Auf Basis dieser Analysen müssen lebenswichtige Entscheidungen über Geschwindigkeit, Bremsverhalten und Steuermanövern getroffen werden.

Das zu verarbeitende Datenvolumen ist enorm. Nehmen wir beispielsweise an, ein Hersteller wie Mercedes-Benz mit einem jährlichen Absatzvolumen von ca. 2 Mio. Fahrzeugen integriert in alle Neufahrzeuge den Fahrzeugcomputer von BOSCH und Nvidia. Bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von angenommenen 10.000km pro Jahr werden 20 Mrd. Kilometer analysiert. Pro Kilometer summieren sich sicherlich Tausende Datenpunkte, so dass wir allein für diese Fahrzeugflotte auf Billionen von Daten kommen.

Bosch und Nvidia: Superchip + HD Grafiken + Deep Learning

Laut Jen-Hsun Huang, CEO von Navidia gibt es drei relevante Bausteine, deren Kombination es ermöglicht, einen Fahrzeugcomputer herzustellen, der sicheres autonomes Fahren ermöglicht:
1. Einen „Superchip“, der es ermöglicht, die Unmengen von Daten der Unmengen von Fahrzeugen in einer unglaublichen Geschwindigkeit zu verarbeiten und zu analysieren.
2. High-Definition Grafikprozessoren, die genug Bilder in hochauflösender Qualität zur Verfügung stellen. Sie sind grundlegende Inputfaktoren dafür, welche Entscheidungen der Fahrzeugcomputer trifft.
3. Deep learning Algorithmen, die die Fahrzeugdaten nicht nur kombinieren und auswerten, sondern in der Lage sind, auf Basis der analysierten Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen und diese immer weiter zu verbessern.

Nvidia-CEO Huang über das Zusammenspiel von AI und autonomem Fahren
Quelle: YouTube, BOSCH Channel

Werden diese drei Komponenten in einer ausreichenden Qualität in einem Fahrzeugcomputer kombiniert, dann ist sicheres autonomes Fahren möglich.
Nvidia stellt einen solchen „Superchip“ her, der ein komplettes Computersystem beherbergen kann und über große Deep Learning Kapazitäten verfügt. Durch den Ursprung des Unternehmens in der Gamesindustrie ist Nvidia zudem in der Lage, Grafikkarten mit hoher Potenz zuzusteuern.
Gepaart mit dem Know-how des Zuliefergiganten BOSCH im Bereich Artificial Intelligence entsteht ein Fahrzeugcomputer, mit dem BOSCH und Nvidia den Markt für Autonome Fahrzeuge erobern möchten.

BOSCH und Nvidia kündigen Kooperation an
Quelle: YouTube; BOSCH channel

Nvidia arbeitet ebenfalls mit Mercedes-Benz zusammen. Die beiden Unternehmen möchten 2018 ein gemeinsam produziertes AI Fahrzeug auf den Markt bringen. Auch Audi ist momentan dabei, gemeinsam mit Nvidia ein selbst fahrendes Auto mit künstlicher Intelligenz zu entwickeln, das allerdings erst 2020 zur Marktreife gebracht werden soll.

Intel drängt auf den Markt und kauft Mobileeye

Brian Krzanich, CEO von Chipgigant Intel, glaubt an ein Marktvolumen für Autonomes Fahren von 70 Mrd. USD im Jahr 2030. Passend dazu hat der Konzern im vergangenen Jahr Mobileye übernommen. Das israelische Unternehmen stellt Fahrerassistenzsysteme her, die auf das gleiche Marktsegment zielen wie das Angebot von BOSCH und Nvidia. Der Übernahmepreis von 15,3 Mrd. USD ist gewaltig, führt man sich vor Augen, dass der Markt für Autonome Fahrzeuge noch am Anfang steht. Seine Entwicklung ist darüber hinaus stark von politischen und regulatorischen Einflüssen geprägt. Mobileye generiert mit knapp 360 Mio. USD nur einen Bruchteil des Übernahmewerts an Umsatzvolumen. Dagegen nimmt sich der Übernahmepreis von 2,2 Mrd. USD, den PSA für die Marken Opel und Vauxhall sowie das europäische Finanzierungsgeschäft GM Financial (zusammen mit BNP Paribas) an GM entrichtet hat, äußerst bescheiden aus.

Nach eigenen Angaben arbeitete Mobileye im Dezember letzten Jahres mit 27 OEMs zusammen. Mobileye Module sind unter anderem in Modellen von BMW, Hyundai, Kia, und Opel integriert.

Tendenziell setzt Mobileye eher auf die Vermarktung von fertigen Software- und Hardwaremodulen an seine Kunden, während Nvidia sich direkter an den jahrelangen Entwicklungsprozessen (z.B. bei Audi) innerhalb des Unternehmens beteiligt.

Fazit

Nvidia und Mobileye sind zwei der interessantesten Player auf dem Markt der Chiphersteller für Fahrzeugcomputer. Die Branchengrößen der Chip- und Halbleiterindustrie bringen sich in Stellung, um sich eine Marktposition in diesem neuen Segment zu sichern. Auf der anderen Seite suchen sich Zulieferer und OEMs die Partner ihrer Wahl und werfen sich ins Rennen um die ersten autonom fahrenden Autos mit ausreichend sicheren Assistenzsystemen. Dies ist nur über den Support von hochpotenten grafischen und analytischen Prozessoren möglich und erfordert weit entwickelte Systeme künstlicher Intelligenz. BOSCH und Nvidia werden Teil dieses Rennens sein mit der Perspektive, markenübergreifende Fahrzeugcomputer auf den Markt zu bringen. Beeinflusst werden die Marktperspektiven zum einen von der Qualität der Fahrzeugassistenten für das autonome Fahren, die tatsächlich erreicht werden wird. Zum anderen wird der Wille der regulierenden Instanzen entscheidend sein, diesen Innovationen den Weg frei zu machen.

 

 

 

 

 

 

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