Die Smartwatch-Industrie 2014: Ein Überblick

Die Smartwatch-Industrie 2014: Ein Überblick
31.07.2014 Dr. Nikola Bachfischer

Google, Microsoft, Sony oder Samsung – die Liste der Hersteller, die Smartwatches entwickeln, wird nahezu täglich länger. Rund 200 Unternehmen sind es aktuell. Sucht man nach ‚Smartwatch‘ bei Amazon, finden sich bereits über 800 Ergebnisse. Gerüchte um die iWatch von Apple heizen den Markt weiter an. Bis 2017 sollen 45 Millionen Smartwatches über die Ladentheke gehen. 

Der Kampf um Marktanteile hat begonnen
Wurden 2012 gerade mal 0,3 Mio. Smartwatches verkauft, waren es laut Angaben der Züricher Marktforscher der Smartwatch Group in 2013 bereits 3 Mio. mit einem Marktvolumen von geschätzten $700 Mio.. Marktführer mit einem Marktanteil von knapp 34% ist Samsung, die Top 10 der Unternehmen machen 82% des Marktes aus. Neben etablierten Smartphone- und Hardware-Herstellern gibt es aber zunehmend auch zahlreiche Start-Ups, die ihre Konzepte über Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo finanzieren wollen. Pebble ist mit $10 Mio. gesammeltem Kapital das wohl prominenteste Beispiel. Die Omate TrueSmart auf Kickstarter ist ein weiteres aktuelles Beispiel. Während Samsung mit seiner Galaxy Gear in Sachen Smartwatch bereits gut aufgestellt ist, soll Microsoft seine Version diesen Oktober launchen. Auch PayPal kooperiert mit Samsung, um sich im Bereich Mobile Payment frühzeitig auf den neuen Geräten zu positionieren. Sony hat mit der Smartwatch 2 ebenfalls eine neue Handy-Uhr vorgestellt. Die Smartwatch 2 ist allerdings wie die meisten ein Zubehör-Teil für Android-Smartphones, das nur zusammen mit diesem genutzt werden kann.

Smartwatches

Noch nicht im Massenmarkt angekommen: Einige der aktuell verfügbaren Smartwatches
Quelle: iq! Consulting Analyse, Homepages der Anbieter

Doch der Markt ist noch jung und viele dieser Smartwatches haben eines gemeinsam: Sie sind entweder noch gar nicht offiziell angekündigt worden oder noch nicht erhältlich. Einen wichtigen Meilenstein legte daher Google jüngst mit der Vorstellung des Android Wear Betriebssystems – einer Plattform, auf die zukünftig etliche Hersteller zurückgreifen können. Mit dieser Maßnahme dürfte der Smartwatch-Markt in den nächsten Monaten ordentlich an Fahrt gewinnen. So ist bspw. seit Anfang Juli mit der LG G Watch die erste Smartwatch mit Android Wear auf dem Markt. Dagegen lässt das von Google vorgestellte Motorola Moto 360 noch auf sich warten. In der Gerüchteküche dominiert aber ein Unternehmen und das ist natürlich Apple. Spekulationen um den Veröffentlichungstermin von Apples Smartwatch iWatch nehmen kein Ende.

Was können die Smartwatches eigentlich?
Die Berichte darüber, was Smartwatches eigentlich können und was nicht, häufen sich. Auch Studien darüber, dass Verbraucher gut und gerne auf die sog. Wearables, zu denen auch die neuen smarten Uhren gehören, verzichten können. Zu einem anderen Schluss kommt freilich das Branchenblatt ‚The Verge‚ in einem Video, in dem die beiden aktuell dominierenden Systeme miteinander verglichen werden: Die Funktionalitäten der Smartwatches werden sich schnell verbessern und damit auch für einen Massenmarkt interessant werden.

Vergleich der beiden aktuell dominierenden Systeme: Pebble vs. Googles Android Wear Platform
Quelle: Video-Review von The Verge

Und die traditionellen Uhrenhersteller aus Deutschland und der Schweiz?
Belächeln die ‚klobigen‘, ‚unschönen‘ Smartwatches und sehen darin keine Bedrohung. Sicher nahmen allein Juweliere in Deutschland laut GfK 2012 knapp €1,4 Mrd. mit Uhren ein. Luxusuhren wie Patek Philip oder Rolex, deren Warteschlangen teilweise sehr lang sind, gelten als zeitloses Statussymbol und Geldanlage. Und natürlich fristen Smartwatches mit Blick auf die jährlich hergestellten Uhrenstückzahlen, die über 1 Mrd. liegen, (noch) ein Nischendasein. Kein Wunder also, dass die einhellige Antwort der Branche auf die Frage des Tagesspiegels, ob der Markt in absehbarer Zeit einbrechen könnte, lautet: „Wieso sollte er?“

Hersteller und Händler v.a. der Luxusuhren sorgt dabei wenig wie der Tagesspiegel schreibt, dass viele junge Leute heute in gleicher Bewegung das Smartphone aus der Tasche holen, um auf die Uhr zu sehen, wo ihre Großväter die Taschenuhr zückten. Oder dass Tech-Firmen sehr genau wissen, wie technische Produkte für Konsumenten aussehen und funktionieren müssen. Oder dass Verbraucher auch bei der Einführung der ersten Handy-Generation sehr zurückhaltend reagierten. Frei nach Henry Ford: „If I had asked people what they wanted, they would have said faster horses.“

Einzelne Hersteller allerdings reagieren: So arbeitet bspw. die Swatch Group, mit 8,5 Mrd. CHF der größte Uhrenhersteller weltweit, daran, seine Touchscreen-Uhr mit Fitness-Funktionen auszustatten. Ohne diese aber mit einem Smartphone zu verbinden. Der japanische Hersteller Casio, einer der ersten Produzenten digitaler Uhren, bietet bereits in seinen aktuellen Bluetooth Uhren der Marke G-SHOCK eine Verbindung zum Handy.

G-SHOCK.jpg

Japanische Hersteller wie Casio positionieren sich frühzeitig im Wachstumsmarkt
Quelle: Casio, G-SHOCK

 

Fazit: Der Smartwatch-Markt ist noch sehr jung. Er steht am Anfang seiner Entwicklung und ist noch nicht im Massenmarkt angekommen. Hauptgrund dafür sind hohe Preise und fehlende Funktionen, die noch zu sehr auf eine reine Erweiterung des Smartphones abstellen. Doch spätestens mit dem Einstieg Apples könnte sich das analog zum iPhone ändern. Die Heterogenität der Player, von Google und Apple über Samsung und Microsoft, von Swatch und Casio über Pebble und Omate spiegelt die derzeitige Dynamik im Markt wider. Smartwatches, klassische Uhren sowie Fitness- und Sporttracker werden weiter zusammenwachsen und traditionelle Marken zumindest im unteren bis mittleren Preissegment in Bedrängnis bringen. Noch sind diese in einer bequemen Position, doch wie in anderen Branchen zuvor werden sich auch hier die Regeln radikal ändern.

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  1. […] Sie schwanken stark, je nachdem wer in welchem Monat eine neue Uhr auf den Markt gebracht hat. Laut Dr. Nikola Bachfischer werden bis 2017 wohl 45 Millionen Smartwatches verkauft. Im Jahr 2012 waren es vergleichsweise […]

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