Mary Meekers Internet Report 2017: Top Trends

Mary Meekers Internet Report 2017: Top Trends
07.06.2017 kathrinkempf
mary meeker

iq! analysiert jedes Jahr eine der wichtigsten Studien zum Status Quo der Digital Economy: den Mary Meeker Trend Report. Die Partnerin des Venture Capitalist Unternehmens Kleiner Perkins Caufield & Buyers stellt auf beachtlichen 355 Seiten schon zum 22. Mal die aus ihrer Sicht wichtigsten Fakten und Entwicklungen zur globalen Internetwirtschaft dar. Wichtige Themen sind in diesem Jahr neben generellen Kennzahlen zu Internet, Mobile, Digital Advertising und eCommerce die Märkte China und Indien sowie die Marktsegmente Gaming, Digital Health und Digital Media. Wie in den vergangenen Jahren werden jedoch Megatrends wie das Internet of Things, 3D Druck oder VR/AI völlig ausgeklammert oder nur am Rande gestreift (iq! analysierte die Reports aus den Jahren 2016, 2015 und 2014 ebenfalls in diesem Blog).

Internet und Mobile

Die Internetpenetration erreicht moderate Wachstumszahlen. Mit 3,5 Mrd. Internetnutzern weltweit erreicht die Penetration 46%, fast jeder zweite Mensch auf unserem Planeten nutzt das World Wide Web. 2016 gibt es fast ebenso viele Smartphones auf der Welt, insgesamt 2,8 Mrd. In diesem Bereich schrumpfen die Zuwachsraten allerdings deutlich. Unter den 2016 neu verkauften Smartphonemodellen ist das Betriebssystem Android mit über 80% Marktanteil klarer Marktführer. Mobile ist innerhalb der digitalen Medien inzwischen der weltweit am intensivsten genutzte Kanal. In den USA liegt der Anteil bei 55%, in China bei knapp 75% und in Indien sicherlich noch höher. Unternehmen sollten sich hinsichtlich ihrer Digitalstrategie immer vor Augen führen, dass „Mobile First“ bereits in vielen Märkten Realität ist und diese Kanalpräferenzen berücksichtigt werden sollten.

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Digital Advertising

Mary Meeker widmet dem Thema Advertising ein langes Kapitel. Die wichtigsten Erkenntnisse sind:

  • 2017 wird Internetwerbung weltweit zum ersten Mal mehr Umsatz generieren als TV Werbung.
  • Rund 20% der Werbeausgaben werden in den USA bereits heute in den mobilen Kanal investiert (ebenso viel wie in Internetwerbung). Bei den Mobile Ads gibt es allerdings immer noch die größte Lücke zwischen der Zeit, die Konsumenten in diesem Kanal verbringen und den tatsächlichen Werbeausgaben.
  • Google und Facebook profitieren überproportional von den zunehmenden Ausgaben in Online- und Mobilemedia. Google Werbeinnahmen wachsen um 20%, die von Facebook gar um 62%. Das Marktwachstum liegt bei lediglich 9%
  • Allerdings tun sich die Anbieter von Onlinewerbeflächen immer noch schwer damit, die Effektivität der Werbung in den transparenten digitalen Kanälen auch wirklich zu messen. Nur rund 20% der „social advertisers“ tracken die Conversion, 60% geben an, Schwierigkeiten bei der Messung des ROI zu haben.
  • Dabei funktionieren die digitalen Kanäle bei der Überführung zu eCommerce Plattformen immens gut: 52% der Google Clicks werden auf vom Handel bezahlte Produktangebote getätigt.
  • Werbetreibende müssen bei der Erstellung der Onlinemediastrategie allerdings einen immer anspruchsvolleren Job leisten: die Möglichkeiten, wo wie und mit welchen Vorteilen Anzeigen geschaltet werden können, steigt rapide. Mary Meeker nennt als Beispiele In-ride Advertising (z.B. Uber+Foursquare), Hyperlocal Targeting (z.B. Nextdoor), In-app Ads, um nur einige zu nennen.
  • Die Grenzen zwischen Inhalten und Werbung verschwimmen im Digitalbereich. So nutzen z.B. viele Unternehmen User-generated Content für eigene Werbezwecke. Auf Pinterest oder Facebook veröffentlichte Beiträge pushen Abverkäufe. YouTube Größen mit hohen Klickzahlen beeinflussen das Kaufverhalten der Kunden. Das bedeutet für Unternehmen, vielschichtige Mediapläne mit Follow-up Prozessen zu erstellen anstatt lediglich simple Schaltpläne wie in der analogen Welt zu entwerfen.

time spend vs ad spendadvertiser challenge

Digital Commerce

Beim Thema Digital Commerce arbeitet Mary Meeker vor allem mit Beispielen. Die Essenz daraus ist:

  • Obwohl in den USA so viele Verkaufspunkte schließen wie noch nie, ist der Einzelhandel nicht am Ende. Es gibt gegenläufige Trends, wie z.B. die Store-Eröffnungen von Amazon.
  • Neil Blumenthal, CEO von Warby Parker fasst die Entwicklungen im Handel perfekt zusammen: „I don’t think retail is dead. Mediocre retail experiences are dead.“ Genauso wie in der Werbewelt bringt die Digitalisierung eine Vielzahl von Möglichkeiten für Händler, eine Verzahnung von Offline und Online, die jedoch mutig angegangen werden muss
  • Instore und auch Online steigen die Anforderungen der Kunden hinsichtlich Einkaufserlebnis, Kundenservice und Einflussmöglichkeiten, die die Händler bedienen sollten

retail stores close

ecommerce growthCloud

Mary Meeker widmet den aktuellen Trends rund um die Cloud ein relativ kleines Kapitel. Zusammenfassend lässt sich sagen: alles wächst. Die Datenvolumina, der Anteil der Cloud an den Unternehmensinfrastrukturen, die Cyberattacken auf die Server und die Marktanteile der Wettbewerber des Marktführers Amazon Web Services:

  • Die Volumina der weltweit generierten Daten steigen in astronomische Höhen. Das stellt große Herausforderungen an die Cloud, an Prozessoren und Big Data Systeme. Mit zunehmender Penetration des Internet of Things werden sich die Datenmengen noch einmal vervielfältigen.
  • 2016 wurde bereits mehr als ein Drittel der IT Ausgaben für die Public und Private Cloud aufgewendet. Tendenz weiter steigend.
  • Amazon Web Services ist immer noch unangefochtener Marktführer bei Cloud Services, allerdings holen Azure und Google Cloud auf.
  • Je mehr Daten generiert und außerhalb von Unternehmen und Institutionen gespeichert werden, desto aktiver werden die Server für Cyberkriminelle: auch die Anzahl der Attacken ist erneut gestiegen

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Sonstiges

  • Voice: Mary Meeker verliert (noch?) wenig Worte über Voice, sieht aber das Potenzial der Technologie, handgesteuerte Bildschirme zunehmend zu ersetzen. Schon heute werden 20% der Google Suchanfragen sprachgesteuert generiert, die Qualität der Spracherkennung liegt bereits bei einer 95%igen Trefferquote. Ähnlich zukunftweisend sieht Mary Meeker das Thema Bilderkennung.
  • Gaming: Die digitale Spieleindustrie boomt und wächst, mit einem immer größeren Fokus auf Internetbasierte Multliplayergames. Viele Onlinesegmente können von der Gamesindustrie lernen, z.B. im Bereich Bildung, Gesundheit, etc.
  • Music & Video: Die Musik- und Filmindustrie hat sich in den letzten Jahren radikal verändert. Streaming dominiert nun die Umsätze der Musikbranche und Spotify generiert mit seinem 50 Mio. Abonnenten rund 20% der globalen Umsätze. Auf dem Videomarkt sieht es ähnlich aus: Die Umsätze von Netflix mit 95 Mio. Abonnenten bilden 30% des US-Home Entertainment Marktes. Und das obwohl Netflix einen ARPU von ca. 100 USD hat (gegen einen ARPU von ca. 1.500 USD eines DirecTV Anbieters).

Fazit

Mary Meekers Internet Report ist einer der relevantesten Berichte der Branche. Die Zusammenfassungen für wichtige Segmente des Onlinebusiness sind überaus lesenswert und relevant. Die zunehmende Digitalisierung einiger Märkte, die zunehmende Bedeutung von Mobile und die Überwindung von Grenzen zwischen den einzelnen Marktsegmenten (z.B. Commerce und Social, Gaming und Health) werden eindrucksvoll und mit vielen Daten erläutert. Doch werden – bewusst oder unbewusst – einige wichtige Trends und Entwicklungen ausgeklammert oder eher stiefmütterlich behandelt. Wie das Internet of Things, Sprachsteuerung oder Mobile Commerce. Interessant ist, ob und wann diese Themen Einzug in den Mary Meeker Report halten.

 

Hier finden Sie den vollständigen Report:
http://www.kpcb.com/internet-trends

 

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