Technologien, die man kennen sollte: Artificial Intelligence

Technologien, die man kennen sollte: Artificial Intelligence
16.06.2017 Rainer Wiedmann
artificial intelligence

Künstliche Intelligenz. Es gibt kaum eine Branche, die sich nicht mit den Auswirkungen dieser neuen Technologien auf ihre Industrie beschäftigt. Sie wird Wertschöpfungsketten beeinflussen und Unternehmensprozesse revolutionieren. Das Investitionsvolumen in Start-ups, die sich mit Artificial Intelligence beschäftigen, ist hoch. Die großen Tech-Konzerne investieren seit Jahren in erfolgversprechende Unternehmen. Aber auch andere Industrien beginnen, hohe Summen auszugeben. So hat beispielsweise Ford im Februar diesen Jahres bekannt gegeben, 1 Mrd. USD in Argo AI anzulegen, einem Start-up, das sich mit künstlicher Intelligenz für das autonome Fahren beschäftigt. iq! analysiert, aus welchen Segmenten sich der Markt für AI Anwendungen zusammensetzt und welche Bedeutung die Technologien für einzelne Branchen haben.

Was ist Artificial Intelligence?

Das menschliche Gehirn ist eines der komplexesten Systeme unserer Erde. Wir beobachten unsere Umwelt, erkennen Ursachen und Muster, lernen und ziehen logische Schlüsse aus dem Erlernten. Auf Basis dieses Wissens treffen wir unsere Entscheidungen und handeln. Artificial Intelligence versucht diese Eigenschaften des Gehirns so gut es geht zu kopieren. Computer üben schon lange gewisse Funktionen für uns aus und sind sehr potent bei der Berechnung komplexer Kalkulationen und der Ausführung von Analysen auf Basis einer großen Menge von Input-Faktoren. Bisher mussten jedoch alle diese Fähigkeiten von Programmierern angelegt werden. Was nicht angelegt wurde, konnte nicht ausgeführt werden. Neu an intelligenten Maschinen ist, dass sie selbstständig Dinge beobachten können, aus ihnen lernen und auf dem Input, den sie sich selbst zugeführt haben, logische Schlüsse ziehen und intelligente Handlungen durchführen können.

Der Bereich Artificial Intelligence besteht aus mehreren Subsegmenten:

  • Recognition: Die Basis für die selbstständige Verarbeitung von Input ist die Erkennung eben diesen Inputs. Dazu gehören die Spracherkennung, die Bilderkennung, die Identifizierung von Bewegtbild sowie von Gesten.
  • Processing & Control: Sprache, Bilder, Videos oder Gesten müssen nicht nur erkannt, sondern auch in einen sinnvollen Kontext gesetzt werden. Der Input wird mit Inhalt gefüllt. Auch für die Steuerung von intelligenten Maschinen ist das Erkennen der Bedeutung von Input wichtig.
  • Learning: Maschinen, die über künstliche Intelligenz verfügen, sind nicht nur in der Lage, Informationen richtig zu interpretieren, sie können aus der Summe an Informationen logische Schlüsse ziehen und diese verarbeiten. So steigt die Anzahl an Servicefällen, die z.B. intelligente Servicebots abwickeln können, kontinuierlich und das Detailwissen der Serviceroboter wird größer (siehe auch unseren Blogartikel: Chatbots – werden sie Apps ablösen)
  • Decide & Act: Intelligente Maschinen lernen nicht nur, sie können auf Basis ihres Wissens Entscheidungen treffen und je nach Hardware, in der sich das AI System befindet, gewisse Handlungen vornehmen. Beim ChatBot können dies Auskünfte und Serviceabwicklungen sein, bei einem Smarten Roboter sind es physische Aktionen, bei einem Supercomputer virtuelle Ergebnisse.

Großes Marktpotenzial für Artificial Intelligence

Die Zukunftsaussichten für intelligente Maschinen und smarte Roboter sind äußerst positiv, da sind sich die Experten einig. Wie rosig sich die Zukunftdarstellt interpretieren die Marktforschungsinstitute unterschiedlich. Vorsichtige Schätzungen taxieren das Marktvolumen für 2024/2025 auf ca. 40 Mrd. USD (z.B. BCC Research), optimistische Schätzungen liegen bei 100 Mrd. USD und mehr (z.B. Constellation Research).

Laut CB Insights hat die mediale Aufmerksamkeit, die AI oder Artificial Intelligence auf sich zieht, diejenige die Big Data zugute kommt, bereits seit längerem übertroffen.

AI vs big data

Media Attention AI vs. Big Data
Quelle: CB Insights

Der Markt für künstliche Intelligenz ist keine Industrie für sich. AI Anwendungen werden in vielen Bereichen Anwendung finden.

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Anwendungsgebiete Artificial Intelligence
Quelle: BoFa Meryll Lynch Global Research

Besondere Relevanz werden die Marktsegmente für Industrieroboter, Serviceroboter und Roboter für den privaten Gebrauch haben. Daneben AI Softwareangebote. Aber auch autonome Fahrzeuge und Drohnen werden ein hohes Marktpotenzial besitzen. Künstliche Intelligenz im medizinischen und chirurgischen Bereich wird relevant. Darüber hinaus wird es Anwendungsfälle in der Landwirtschaft, in der Unterhaltungsindustrie und beim Militär geben. Und in vielen Bereichen, in denen selbst die Experten das große Potenzial noch nicht erkannt haben.

Hohe Akquisitionstätigkeit

Die Investitionen in Start-up Unternehmen, die sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz beschäftigen, sind in den letzten fünf Jahren in die Höhe geschnellt. Wurden im Jahr 2012 noch knapp 590 Mio. USD investiert, hat sich das Volumen im Jahr 2016 auf 5 Mrd. USD fast verzehnfacht. Auch die Investitionssumme pro Deal hat sich mehr als verdoppelt.

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Investitionsvolumen und Deals im Bereich Artificial Intelligence
Quelle: Statista basierend auf CB Insights

Bei den Unternehmenszukäufen tut sich insbesondere Google hervor: mit 11 relevanten Übernahmen innerhalb von fünf Jahren liegt der Techkonzern klar vor Konkurrenten wie Apple und Intel, die sich mit 5 Akquisitionen den zweiten Platz teilen. Die Aufschlüsselung der Akquisitionen zeigt, wie hoch das Thema von Technologieunternehmen und inzwischen z.B. auch von der Automobilindustrie priorisiert wird. Die Anzahl der Deals ist immer enger getaktet, die Aktivität nimmt zu und viele Unternehmen haben in den letzten beiden Jahren begonnen, sich dem Thema AI zuzuwenden (z.B. Amazon, Oracle oder Ford).

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Übersicht Übernahmetätigkeit Artificial Intelligence
Quelle: CB Insights

Fazit

Laut Stephen Hawking könnte künstliche Intelligenz „das Beste oder das Schlimmste“ für die Menschheit bedeuten, im schlimmsten Fall sogar Ihr Ende darstellen. Ob „best“ oder „worst case“: Die großen Konzerne, insbesondere die Technologie-orientierten möchten die Entwicklung der Artificial Intelligence mitbestimmen und für sich nutzen. Das große Interesse an Start-ups, deren Geschäftsinhalte um AI kreisen, unterstreicht dies. Der zunehmende Einsatz von intelligenten Geräte und Maschinen wird Produktionsprozesse und Geschäftsabläufe weiter optimieren und effizienter machen. Für einen Teil der arbeitenden Bevölkerung ist diese zunehmende Automatisierung und Robotisierung allerdings bedrohlich. Auf der anderen Seite ist der Kampf um Know-how und Manpower auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz voll entbrannt (was wiederum der Run auf erfolgversprechende Start-ups belegt). Inwieweit sich Servicemitarbeiter, Pflegekräfte oder Entwickler wirklich von Maschinen ersetzen lassen, wird auch von der Kundenakzeptanz und den Grenzen der Humanisierbarkeit von Programmen abhängen.

 

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