Warum Apple eine Milliarde in DiDi Chuxing, Ubers chinesischen Rivalen, investiert

Warum Apple eine Milliarde in DiDi Chuxing, Ubers chinesischen Rivalen, investiert
21.06.2016 Dr. Nikola Bachfischer

Uber ist mit einer Bewertung von knapp 63 Mrd. USD das wertvollste Start-Up der Welt und in aller Munde. Kaum eine Diskussion zum Thema ‚Digitale Transformation‘, ‚Disruption‘ oder ‚Sharing Economy‘, die ohne das Beispiel der als Taxi Schreck bekannten App auskommt. Nahezu unbekannt dagegen ist hierzulande der große Rivale aus China – DiDi Chuxing. Nun ist Apple mit einer Milliarde bei DiDi als strategischer Investor eingestiegen. Warum Apple dies enorme Invest tätigt? Es geht um nichts weniger als die Zukunft der Mobilität.

Apple-Partner und Uber-Konkurrent Didi Chuxing hat 7 Milliarden Dollar gesammelt

‚Re-Imaging Transportation‘: Die neuen Geschäftsmodelle der mobilen Fahrdienst Plattformen

Das Besondere am Geschäftsmodell von Anbietern wie Uber oder DiDi ist, dass sie vollkommen neue Wertschöpfungsketten und damit neue Geschäftsmodelle definieren. Sie besitzen kein eigenes Auto, der gesamte Service von der Bestellung eines Wagens bis zur Bezahlung wird via Smartphone abgewickelt: Uber is evolving the way the world moves by seamlessly connecting riders to drivers through their mobile platform“. Wichtigste Assets dieser digitalen Plattformen sind Infrastruktur und Reichweite, eine aggressive Marktexpansion ist dafür Voraussetzung. Dieser Expansionsdrang löst weltweit Proteste bei Behörden und der Taxibranche aus. Gleichzeitig dringen die neuen Plattformen zunehmend in Geschäftsbereiche traditioneller Autohersteller vor. Die drei größten Hersteller haben sich inzwischen an verschiedenen Playern beteiligt: Toyota (Marktkapitalisierung: $199 Mrd) investierte bei Uber (in ungenannter Höhe), VW (Marktkapitalisierung: $75 Mrd) bei Taxivermittler Gett $300 Mio. und General Motors (Marktkapitalisierung: $46 Mrd) bei Uber Konkurrent Lyft $500 Mio.. Daimler (Marktkapitalisierung: $71 Mrd) übernahm bereits 2014 die App MyTaxi und auch Fiat Chrysler soll Ende 2016 eine Kooperation mit Uber bekanntgeben. Potenzial wird dabei neben dem Bereich der Mobilität v.a. in der Logistik gesehen: So testet bspw. der US-Einzelhandelskonzern Wal-Mart einen Lebensmittel-Lieferdienst mit Uber und Lyft und macht damit wiederum dem Onlinehändler Amazon unmittelbar Konkurrenz. Und Apple? Nachdem sowohl Mercedes als auch BMW eine Kooperation ablehnten, setzt Apple nun mit einem Milliardeninvest auf den chinesischen Marktführer DiDi Chuxing.

Uber DiDi Lyft iq!

Die Top 3 Plattformen: Uber, DiDi und Lyft

Uber ist der Marktführer der Fahrdienst-Plattformen in den USA mit einer starken technologischen Plattform. Die App ist längst weit mehr als eine Taxi-App: Mit UberPOOL können sich mehrere Fahrgäste eine Fahrt teilen, wenn sie zum gleichen Ziel bzw. in die gleiche Richtung unterwegs sind, die Highend Version UberBlack bietet erstmals ein ‚buy-15-rides-get-1-free‘ Loyalty Programm, UberBIKE startet in Amsterdam, der Lieferservice UberRUSH soll Kurier- und Lieferdiensten Konkurrenz machen, mit Ubercopter werden nun in Sao Paolo auch Plätze in Helicoptern angeboten, UberEATS liefert Essen aus und Uber for Business zielt auf Unternehmen.

In China allerdings dominiert mit 300 Millionen Kunden, 14 Millionen Fahrern, täglich drei Millionen Fahrten und einem Marktanteil von gut 80% klar der heimische Anbieter DiDi Chuxing. Neben den chinesischen Internetkonzernen Alibaba und Tencent gehört seit Mai Apple zu den Investoren, die auf eine goldene Zukunft des Fahrdienstes wetten. Für Apple, das rund ein Viertel seiner Geschäfte in China tätigt, ist dies die größte Investition nach der Übernahme des Kopfhöhrerherstellers und Musik-Streaming-Dienstes Beats Electronics für 3 Mrd USD in 2014 und ein weiterer großer Schritt in den chinesischen Markt. Didi soll in 2017 einen Börsengang planen.

Lyft ist der größte Konkurrent von Uber in den USA und hat sich zum Ziel gesetzt, nicht das Taxi sondern den eigenen PKW zu ersetzen. Lyft startete werbeträchtig und kennzeichnete seine Wagen mit pinkfarbenen Schnurrbärten. Mittlerweile argumentiert Lyft damit, eine Antwort auf die Verkehrsprobleme unserer Zeit zu haben. Lyft Line ermöglicht es bspw. Kunden, nicht nur am Startpunkt der Fahrt einzusteigen, sondern auch während der Fahrt. Lyft Mobility Solutions zielt auf Firmenkunden und Pendler, um bspw. den Weg zwischen Zuhause, Bahnstation und Arbeitsplatz zu überbrücken. Gleichzeitig setzt Lyft auf Kooperation, um in andere Märkte zu expandieren und verkündete Anfang des Jahres eine Zusammenarbeit mit DiDi. Lyft Nutzer, die in China unterwegs sind, können über die Lyft App Fahrer aus dem DiDi Netzwerk buchen und umgekehrt. Im Dezember 2015 hatte DiDi bereits in Lyft investiert.

Funding Top 3 mobile Plattforms Uber DiDi Lyft

Fazit

Wenn ein in 2009 gegründetes Unternehmen wie Uber, das selbst kein Fahrzeug besitzt, plötzlich mehr wert ist als der weltweit drittgrößte Autohersteller General Motors, der in 2015 knapp 10 Millionen Fahrzeuge verkaufte – dann ist das der Beginn eines Wandels, den zu unterschätzen fatal wäre. Einerseits steht der Bereich der mobilen Fahrdienst Plattformen zu Recht derart im Fokus: Es geht um die Zukunft der Mobilität und es geht um die Verteilung zukünftiger Märkte in einer Welt, in der Mobilität immer mehr zu einer per Smartphone verfügbaren Dienstleistung wird. Unternehmen wie Uber oder DiDi wird zugetraut, eine globale Plattform für die Koordination von Transportmitteln aller Art etablieren zu können. Daher auch die hohen Bewertungen (noch) nicht profitabler Start-Ups in Finanzierungsrunden, die einen schwindeln lassen. Daher auch Apples enormes Invest. Andererseits subventionieren sowohl Uber als auch DiDi das Geschäft ihrer Fahrer mit Investorengeldern, um schnell Marktanteile zu gewinnen. Wie nachhaltig sie wirklich arbeiten werden, lässt sich da nur schwer abschätzen. Der Kampf um Kunden und Investoren vernichtet dabei eine Menge Geld, zerstört bestehende Geschäftsmodelle ohne zunächst neue Werte zu schaffen. Das Milliardeninvestment von Apple in DiDi zeigt aber auch eines recht deutlich: Branchengrenzen lösen sich auf – die großen IT Konzerne wie Apple oder Google, traditionelle Autohersteller wie Toyota oder Daimler und Plattformen wie Uber oder DiDi bewegen sich zunehmend im selben Markt. Die Verteilung dieses milliardenschweren Zukunftsmarkts wird spannend!

Welche Rolle Start-Ups in der Automobilbranche spielen, lesen Sie hier.

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