Wettbewerber? Partner? Die Rolle der Start-Ups in der Automobilbranche

Wettbewerber? Partner? Die Rolle der Start-Ups in der Automobilbranche
24.06.2016 Dr. Nikola Bachfischer

Warum Apple eine Milliarde in den chinesischen Fahrdienstvermittler DiDi Chuxing investierte, zeigt eines recht deutlich: Alte Branchengrenzen lösen sich auf. Große IT Konzerne wie Apple oder Google, traditionelle Autohersteller wie Toyota oder Daimler und Plattformen wie Uber oder DiDi bewegen sich zunehmend im selben Markt. Gleichzeitig kommen mit einer Reihe junger Autotech Start-Ups gänzlich neue Player ins Spiel. CBInsights zeigt ausgewählte Beispiele aus dem Bereich autonomes Fahren und deren Series-A-Finanzierung in 2016. Wer gewinnen wird, ist noch vollkommen offen. Klar ist nur: Künftig wird es nicht mehr nur um den Bau immer noch besserer oder größerer Autos gehen, sondern um Mobilitätskonzepte.

Hintergrund: Junge Leute wollen Autos häufig nur noch nutzen, nicht aber besitzen. Gleichzeitig dürften mit der erwarteten Ausbreitung autonom fahrender, emissionsfreier Fahrzeuge deutlich weniger Autos benötigt werden. Nach dem Dieselskandal wird nun auch in Deutschland über vieles neu nachgedacht. Ein epochaler Wandel, in dem die Autohersteller schon mitten drin stecken und den Daimler Chef Zetsche offensiv in jüngster Zeit anspricht: Sei es auf einer Podiumsdiskussion auf der kürzlich stattgefundenen NOAH Konferenz, bei der er eine Kooperation mit Uber nicht ausschloss, oder jüngst bei einem Wirtschaftsgipfel, bei dem er ankündigt, dass „bei Daimler nichts bleiben wird, wie es war – Daimler wird sich in den nächsten zehn Jahren radikal zu einem anderen Unternehmen entwickeln“. Ziel: Daimler will zum weltweit führenden Mobilitätsanbieter werden.

General Motors kauft Cruise Automation für mehr als eine Milliarde USD

Häufig wurde General Motors (GM) vorgeworfen, es sei zu langsam und würde Google&Co die Zukunft überlassen. Doch nun hat der weltweit drittgrößte Autohersteller reagiert und im Januar 500 Mio. USD in den Uber-Konkurrenten Lyft investiert sowie im März das 2013 gegründete Start-Up Cruise Automation für über eine Milliarde USD übernommen. Cruise Automation arbeitet an einer Technologie für autonomes Fahren. Mit dieser Technik entsteht derzeit ein autonom fahrender Chevrolet Bolt, der auch schon auf Kaliforniens Straßen gesichtet worden sein soll. Geplant ist dann, dass Lyft Fahrer den Wagen nutzen, wenn sie kein eigenes Auto besitzen. In Chicago können sie dazu derzeit GMs Mittelklasse-SUV Chevy Equinox mieten.

'Cruise I The Driverless Revolution'Fahrzeugflotte für Mitfahrdienste? Lyft Fahrer sollen zukünftig den autonom fahrenden Chevrolet Bolt einsetzen
Quelle Screenshot: Cruise Automation

Fünf Start-Ups im Bereich ‚Autonomes Fahren‘ mit $57 Mio Risikokapital in 2016

Seit dem GM | Cruise Automation Deal rücken nun zunehmend weitere Start-Ups in den Fokus. Eine Rolle spielt dabei sicher der zu gewinnende technische Vorsprung, insbesondere rücken die Start-Ups aber in den Fokus aufgrund der Summen an Risikokapital, die sie generieren. Erwartet wird nicht, dass die mit so vielen Millionen bedachten jungen Techunternehmen in der Lage wären, schnell Gewinne zu erwirtschaften. Nachfrage bestimmt hier den Preis und die ist groß. CBInsights analysierte sehr junge Start-Ups aus dem Bereich autonomes Fahren in der Seed- bzw. Series A-Phase. Nicht berücksichtigt ist Zoox, eines der 13 Unternehmen, die laut Bloomberg die offizielle Genehmigung besitzen, selbstfahrende Autos auf öffentlichen Straßen in Kalifornien zu testen. Das geheimisumwitterte Start-Up soll nach einer Series A Finanzierung bereits mit einer Milliarde bewertet sein.

Die betrachteten Start-Ups haben verschiedene Ausrichtungen: Das Self-Driving-Startup NuTonomy, ein MIT Spin-Off, bekam in der Serie-A-Finanzierungsrunde 16 Mio USD. Wie bei einer Seedfinanzierung im Januar, bei der 3,6 Mio USD bereitgestellt wurden, ist u.a. der Autohersteller Ford über den Risikokapitalgeber Fontinalis Partners beteiligt. NuTonomy konzentriert sich auf die Entwicklung von Software für den Bau von Robotertaxis in Städten. Das Start-Up NAUTO entwickelt ein vernetztes Fahrzeugassistenzsystem, das künstliche Intelligenz, visuelle Daten und Hardware verbindet. Das System kann bspw. im Falle eines Unfalls Innen- und Außenaufnahmen machen und relevante Informationen zum Fahrverhalten an Versicherungen senden. Nauto will sich als Zulieferer der Automobilindustrie etablieren. Auch DriveAI, ein Spin-Off der Universität Stanford, setzt auf künstliche Intelligenz und Deep Learning und erhielt im April als 13. Unternehmen die offizielle Lizenz, auf Kaliforniens Straßen zu testen. Bosch investierte über seinen Venture Arm Robert Bosch Venture Capital in AdasWorks, ein Start-Up ursprünglich aus Ungarn, das sich ähnlich DriveAI auf künstliche Intelligenz und die sog. Advanced Driver Assistance Systemes (ADAS) fokussiert. Eine Series-A-Finanzierungsrunde im März brachte dem Unternehmen 5,6 Mio. USD. Ein weiteres Start-Up, Comma AI, wiederum arbeitet an einem künstlichen neuronalen Netz, das das Fahren selbstständig lernen soll und als sog. ‚Aftermarket Kit‘ nachträglich in Fahrzeuge eingebaut werden kann.

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Nicht nur Daimler, Tesla, Uber oder Google entwickeln autonom fahrende Autos. Auch Start-Ups.
Quelle: CBInsights, Juni 2016

Fazit

Mit Risikokapital finanzierte Autotech Start-Ups sind die Herausforderer in einer zunehmend digitaleren Automobilwelt, in der sich bestehende Grenzen auflösen. In einer Welt, in der gesellschaftlicher Wandel traditionelle Hersteller vor vollkommen neue Herausforderungen stellt. Und die Automobilbranche scheint aufzuwachen: Laut Daimler Chef Zetsche ist es die Aufgabe von Daimler, sich auf dieses wandelnde Umfeld einzustellen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die enormen Summen, die derzeit in Start-Ups und Kooperationen gesteckt werden, zeigen: Die tradionellen Hersteller können es sich nicht leisten, den Anschluß zu verpassen. Und je nach Ausrichtung können Start-Ups dann Partner oder Wettbewerber sein. Für all die Risikokapitalfirmen ist es eine große Wette auf die Zukunft und künftige Milliardenerlöse. Die Grundlagen für das, was kommen wird, werden jetzt gelegt.

Warum Apple eine Milliarde in DiDi Chuxing, Ubers chinesischen Rivalen, investiert, lesen Sie hier.

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