FinTech – Neue DB Research Studie zur digitalen (R)evolution im Finanzsektor

FinTech – Neue DB Research Studie zur digitalen (R)evolution im Finanzsektor
17.11.2014 Dr. Nikola Bachfischer

Es werden immer mehr. Immer mehr Technologieunternehmen drängen in das klassische Finanzwesen und machen Banken, Versicherungen und Kreditkartenunternehmen ihr angestammtes Geschäft, in dem sie jahrzehntelang unverzichtbar waren, streitig. Eine aktuelle Studie der DB Research analysiert unter dem Titel ‘FinTech – Die digitale (R)evolution im Finanzsektor‘ umfassend den digitalen Strukturwandel und zeigt die digitale Roadmap hin zu einem ‘algorithmenbasierten Banking mit Human Touch’ als (vorläufigen) Schlusspunkt dieser Entwicklung auf.

FinTech ist dabei ein Sammelbegriff für die unterschiedlichsten digitalen Technologien im Finanzsektor und setzt sich zusammen aus ‘Financial Services’ und ‘Technology’. Dazu zählen alle Technologien, die finanzielle Services, Angebote oder Dienstleistungen im Bereich des E-Commerce, des Mobile Payment, der Kreditvergabe oder der Business Intelligence anbieten. Seitens der Konsumenten wird die FinTech Revolution durch die sich beschleunigenden Entwicklungen im Bereich der mobilen Endgeräte, der modernen Methoden im Datenanalysebereich (Big Data), der Verschiebung der Daten in die Cloud, der Individualisierung von Diensten im Netz sowie der zunehmenden Konvergenz von Informations- und Kommunikationstechnologien getrieben.

Boom der FinTech Start-Ups
Allein die Zahl der FinTech Start-Ups in Deutschland wuchs seit November 2013 rapide auf über 100, wie eine Mindmap von A.M. Bajorat auf paymentandbanking auflistet. Welche 50 Unternehmen international den Finanzsektor aufwirbeln zeigt FinTechCity. Doch nicht nur Start-Ups sind aufgrund sinkender Eintrittsbarrieren eine potenzielle Bedrohung. Mit dem Einstieg in den mobilen Zahlungsverkehr sagen auch die großen Internetunternehmen wie Apple und Google den etablierten Finanzunternehmen den Kampf an. Was also passiert, sollte bspw. Google eine globale Bankenlizenz erhalten und Kredite vergeben oder Facebook seinen 1,3 Mrd. Nutzern ein System für schnelle, kundenorientierte Geldüberweisungen anbieten?

Die Studie geht davon aus, dass der Strukturwandel zuerst die leicht zu automatisierenden Finanzprodukte betrifft, die keiner regulatorischen Aufsicht unterliegen. Hier lägen die ‘offenen Flanken’, die neue Anbieter gezielt nutzen, um mit attraktiven Alternativprodukten etablierte Geschäftsmodelle aus den Angeln zu heben. Gleichzeitig sinken dort die Transaktionskosten und die Kunden informieren sich zunehmend selbst im Internet. Analysen von Roland Berger zeigen, wo die größten Gefahren für Retail-Banken durch neue Player in Deutschland und global gesehen werden:

FinTech Gefahr für Retail Banking Roland Berger dbresearch 2014

Leicht automatisierbare Finanzprodukte sind am gefährdesten
Quelle: Roland Berger, DB Research

Roadmap für den Strukturwandel der Banken
Wettbewerbsvorteile der Banken sind laut DB Research einerseits die spezifischen Fachkompetenzen (Risiken einschätzen, bewerten, managen) andererseits aber v.a. die Diskretion hinsichtlich kundenbezogener Daten sowie die damit verbundene langjährige Erfahrung mit hoher, regulierungsinduzierter operativer Sicherheit für Kunden. Ein Punkt, der bei den neuen Playern eine (noch) untergeordnete Rolle spielt. Trotz der vielfältigen Bedrohungen sollten Finanzunternehmen diese Vorteile nutzen und auf moderne Datenanalysemethoden und eine nahtlose Integration sämtlicher Vertriebskanäle setzen. Mit dem Ziel, eine flexible Infrastruktur zu schaffen, um geeignete finanzspezifische Internetdienste effizient und vor allem zeitnah zu implementieren. Am (vorläufigen) Ende dieser Entwicklung sieht der Autor ein auf Algorithmen basierendes ‘Algo-Banking’, kombiniert mit persönlicher Ansprache und individuellem Service (dem Human Touch), das den Kunden ins Zentrum der Bemühungen setzt. Nicht unerwähnt bleibt, dass das ein steiniger Weg ist und große Anstrengungen bei diesem Transformationsprozeß auf die Unternehmen warten bis hin zu Filial- und Personalabbau.

Fazit: Ein Must Read! Eine lesenswerte Studie, die sehr umfassend und basierend auf dem digitalen Strukturwandel in anderen Branchen die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Finanzsektor analysiert und Handlungsempfehlungen für Banken und Versicherungen gibt. Das Fazit der Studie wird plausibel erläutert – Banken werden nicht untergehen, aber sie müssen sich jetzt auf die Innovationen einstellen und hohe Priorität auf eine langfristige Digitalisierungsstrategie legen.

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