‚Future of Search‘ bei Google und Pinterest: Suchen vs. Entdecken

‚Future of Search‘ bei Google und Pinterest: Suchen vs. Entdecken
17.06.2016 Dr. Nikola Bachfischer

Wie die meist genutzte Suchmaschine der Welt heißt, überrascht bei einem Marktanteil von über 90% niemanden. Suchmaschine ist gleich Google. Googeln als Synonym für ‚Suchen im Internet‘ ist längst in unseren alltäglichen Sprachgebrauch eingegangen. Für alle E-Commerce Konzepte ist die Auffindbarkeit bei Google zwingend notwendig. Doch: Wie entstehen Konsumwünsche? Wo findet der Nutzer Ideen und Inspiration? Durch optimierte Suchprozesse? Eher nicht. Hier kommt Pinterest ins Spiel, eine Social Media Plattform, die sich zunehmend als Ideen-Suchmaschine etabliert. Der visuelle Ansatz soll Lust machen, zu stöbern und sich inspirieren zu lassen. Wie sehen die beiden US Player die Zukunft der Suche?

Pinterest Gavini Quote Future of Search
Die Ideen-Suchmaschine Pinterest will komplexe Fragen mit mehreren Antwortmöglichkeiten beantworten
Quelle: Pinterest Blog, Naveen Gavini

‚Future of Search‘ bei Google: Mobil und sprachgesteuert

Wie sehr wir die Welt durch Googles Augen sehen, zeigen diese Zahlen: Im Mai 2016 beantwortete Google knapp 90% aller weltweiten Suchanfragen, bei der mobilen Suche liegt der Marktanteil sogar bei rund 97%. Dabei ist es das Ziel von Google, die „Informationen der Welt zu organisieren und für alle zu jeder Zeit zugänglich und nutzbar zu machen“. Die echte Welt also immer besser zu verstehen.

Wie die Zukunft der Suche aus Sicht Googles aussieht, darüber sprach Beshad Behzadi, Director of Search bei Google in Zürich, in seiner Keynote auf der SMX West 2016: Um die Suche noch besser an die Bedürfnisse der Nutzer anzupassen, soll sich die Suchmaschine Google zunehmend zum persönlichen Assistenten der Nutzer entwickeln. Dabei werden vier Hauptaspekte die Suche bestimmen: Sprache, Kontext, Standort und persönliche Informationen. Zudem spielt die Sammlung von Daten eine entscheidende Rolle, um dem User möglichst personalisierte und zukünftig auch proaktive Suchergebnisse präsentieren zu können. Seit vergangenem Jahr wird dazu auch ein Artificial Intelligence System namens RankBrain verwendet, das komplexe Suchanfragen besser verstehen und aus den eigenen Analysen lernen soll.

Mehr als 50 Prozent aller Anfragen an Google sind mobil; und in den USA werden mehr als 20 Prozent aller Anfragen per Sprache gestellt – darauf verwies Google-Chef Sundar Pichai zur Eröffnung der Google Entwicklerkonferenz I/O im Mai und stellte mit Google Assistant und Google Home zwei neue Projekte vor, die die Sprachsuche noch wesentlich intelligenter machen sollen. Die Sprache ist dabei nicht auf Mobilfunkgeräte beschränkt, sondern dringt mit dem aufkommenden Internet der Dinge in viele Alltagsprodukte wie Smartwatches oder Wearables, Autos oder Smart Home Produkte vor.

‚Future of Search‘ bei Pinterest: Stöbern statt Suchen

2012 sprach Pete Cashmore, CEO des Branchendienstes Mashable, von der ‚heissesten Website des Jahres‘. Mittlerweile nutzen mehr als 100 Millionen Menschen die Social Media Plattform, die pro Monat laut eigenen Angaben zwei Milliarden Suchanfragen erhält: „We’re building the world’s catalog of ideas, and over 100 million people around the world have already saved 75 billion ideas here. So unlike regular search engines, which are powered by robots, Pinterest is powered by people and the ideas they hand select“. Letztendlich ist Pinterest eine riesige Bildersammlung und Produktempfehlung, wobei zwei Drit­tel aller gepinn­ten Inhalte von Unternehmens-Webseiten stam­men sollen. In den USA gehört Pinterest bspw. für viele Beauty-, Fashion- oder Travelblogs zu den wichtigsten Traffic-Lieferanten nach Google und Facebook. Auch die Bereiche Food, Health und Design sind für Brands interessant, da sich viele Leser zunächst von Ideen inspirieren lassen und anschließend mehr Informationen erfahren wollen.

Das Ziel von Pinterest ist es, komplexe Fragen der vorwiegend weiblichen Nutzer (74%) mit mehreren Antwortmöglichkeiten zu beantworten, wobei die Antworten zunehmend komplexer, individueller und kontextbezogener werden, häufiger auch mit lokalem Bezug. Dazu wurde vergangenen November neben Rich- oder How-to-Pins u.a. auch ein spezielles visuelles Suchfeature eingeführt, das keinerlei Text- oder Spracheingabe benötigt, sondern nur über Bilder funktioniert. Laut eigenen Angaben werden damit 130 Millionen Suchanfragen pro Monat durchgeführt. Pinterest illustriert die Bild-in-Bild-Suche, die ähnlich einem Shazam für Bilder funktioniert, an folgendem Beispiel: Sieht man bspw. auf einem Bild eine interessante Lampe, kann man diese über eine Lupe im rechten oberen Eck auswählen und sich ähnliche Produkte anzeigen lassen. Auch der Name des Händlers wird angezeigt. Gleiches ist für jeden weiteren Gegenstand auf dem jeweiligen Bild möglich.

pitnerest

„Our crazy-fun new vidual search tool‘: Suche über Bilder anstelle Text
Screenshot: Pinterest

Fazit

Keine Frage, kein Text, keine Spracheingabe – die textlose Suche bei Pinterest liefert dennoch passende Antworten. Rein über Bilder. Ein spannendes Konzept, das viele E-Commerce Konzepte bisher vernachlässigen. Pinterest professionalisiert sich als Plattform für Inspiration, als Ideenkurator und Trafficlieferant, bei der sich Nutzer durch Bilder klicken, bis sie schließlich auf einer Produktseite landen. Doch natürlich ist der Vergleich mit dem marktbeherrschenden Giganten Google etwas schief. Dessen Bestrebungen in Richtung künstliche Intelligenz (AI) sind wesentlich umfassender und von höchster Relevanz für alle Unternehmen. Eine Marke, ein Unternehmen, ein Inhalt kann noch so gut sein – ohne entsprechende Sichtbarkeit bei Google wird es zukünftig immer schwieriger. Hier liegt die Zukunft der Suche und damit die Zukunft der Unternehmenssuche.

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