Keynote zur Künstlichen Intelligenz auf den Medientagen München

Keynote zur Künstlichen Intelligenz auf den Medientagen München
26.10.2016 Dr. Nikola Bachfischer
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Prof. Wahlster bei seiner Keynote auf den Medientagen München 2016

Wir haben heute schon Computer, die kognitiv dem Menschen in vielen Dingen überlegen sind. Die Künstliche Intelligenz hat es geschafft, den Menschen in Spielen wie Schach oder Go zu schlagen – nur in einem nicht: dem Pokern. Das sagte Wolfgang Wahlster, Professor vom Forschungszentrum Künstliche Intelligenz (KI) in Karlsruhe, bei den Medientagen in München in einer interessanten Keynote. Und auch die fußballspielenden Roboter könnten dem Menschen noch nicht ganz das Wasser reichen. Dazu fehle ihnen die soziale Intelligenz: „Sie wollen immer selbst die Tore schließen und können nicht abgeben.“

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Der Grund warum KI beim Pokern nicht gewinnen kann: Bluffen und Pokerface aufsetzen ist (noch) unmöglich
Quelle: Medientage 2016, Prof. Wahlster

Die erste Welle der Digitalisierung sei bereits abgeschlossen, so Wahlster zu Beginn seines Vortrags. Nachdem Zahlen bislang überwiegend nur gesammelt, gespeichert und verarbeitet worden seien, gehe es im nächsten Schritt darum, digitale Daten mit Hilfe von Algorithmen zu interpretieren, zu veredeln und aktiv zu monetarisieren. Der Trend gehe von maschinenlesbaren Daten zu maschinenverstehbaren Daten. Dabei spiele Künstliche Intelligenz eine große Rolle. Welche Folgen es haben kann, wenn Maschinen das Denken beigebracht wird (Deep Learning), machte Wahlster an Beispielen wie der Personalisierung von Medieninhalten oder selbstlernenden Systemen zum Erkennen von Sprache und Gesichtern deutlich. Auf dieser Basis könne etwa das interaktive semantische Fernsehsystem Swoozy Fernsehzuschauern jederzeit gestengesteuert und intuitiv Fakten über eine gerade eingeblendete TV-Szene beantworten. Künstliche Intelligenz bedeute, dass sich Computer in ihrer Kommunikationsfähigkeit dem Menschen anpassen würden. Medienbots und Roboterjournalismus könnten außerdem Medienangebote personalisieren.

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Swoozy und semantisches Fernsehen
Quelle: www.swoozy.de

Durch Künstliche Intelligenz automatisierter Content ist bereits da

Was Künstliche Intelligenz leisten kann, veranschaulichte im Anschluß Martina Koederitz, Vorsitzende der Geschäftsführung von IBM Deutschland am Beispiel der IBM Plattform Watson und präsentierte einen Trailer zum Film „Das Morgan Projekt“, den der Superrechner Watson automatisch aus Filmsequenzen erstellte, nachdem zuvor selbstlernende Algorithmen erfolgreiche andere Trailer analysiert hatten. Und auch im Bereich Journalismus ist KI bereits angekommen: Schon jetzt gehen Anbieter wie AX Semantics davon aus, ca. 50% der Inhalte aus Tageszeitungen automatisieren zu können. Auch in den USA setzen bspw. die Associated Press, eine der renommiertesten Nachrichtenagenturen, und Forbes bereits Algorithem ein, die automatisiert Texte erstellen. Momentan ist das v.a. bei Finanz- und Sportnachrichten sowie Gebrauchstexten im E-Commerce der Fall. Weitere Themengebiete folgen. Allerdings gilt auch hier wieder, ‚Roboterjournalisten‘ können keine emotionalen Texte schreiben, sie können nicht einordnen oder kommentieren.

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Fazit

Künstliche Intelligenz steckt heutzutage in der meisten Software, oft nicht als solche erkennbar. Zwar ist es bis zum denkenden Computer und völlig autonomen Roboter noch ein weiter Weg, doch die von Prof. Wahlster aufgeführten Beispiele aus der Medienbranche zeigen, wie weit Künstliche Intelligenz hier bereits vorgedrungen ist. Auch alle großen Techunternehmen ob Apple, Amazon, Google, Facebook, IBM oder Microsoft investieren große Summen in die Entwicklung, können mit ausgeklügelten KI-Systemen bspw. intelligente persönliche Assistenten entwickelt, selbst fahrende Autos gesteuert oder eine Vielzahl weiterer Aufgaben erledigt werden, die auf Grund ihrer Komplexität nicht mit konventionellen Programmierungstechniken zu lösen sind. Wahlster warnte aber auch vor Gefahren. Würden Algorithmen die Arbeit von Redaktionen übernehmen, seien Nachrichtenauswahl und Informationsgenese oft intransparent, kritische Distanz und Unabhängigkeit nicht garantiert.

 

Interview des BR mit Prof. Wahlster auf den Medientagen München:

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