Lieber Snapchat und WhatsApp: Wie Teenager heute kommunizieren

Lieber Snapchat und WhatsApp: Wie Teenager heute kommunizieren
12.06.2014 Dr. Nikola Bachfischer

Wer immer noch am Erfolg der boomenden Messaging Apps zweifelt. Wer verstehen will, wie Social Media wirklich genutzt wird. Der braucht nur kurze Zeit mit einer 12-jährigen und ihrer 15-jährigen Schwester zu verbringen. Ein Leben ohne Smartphone und Messaging erscheint ihnen so fern wie uns Erwachsenen das Mittelalter.

Ein informeller, absolut subjektiver Einblick in das digitale Teenagerleben
Google und YouTube, Facebook und Skype. Daneben iTube und Spotify zum Musikhören. Ganz selbstverständlich von Teenagern genutzt. Auf ihrem Smartphone. Nicht am PC. Als ‚cool‘ wird ein Facebook-Freundeskreis von 400 bis 500 empfunden. Ist der erreicht, sinkt die aktive Beschäftigung mit Facebook in der täglichen Kommunikation rapide und rutscht gegen null. Zu aufwendig die Überlegung, für wen dieses oder jenes Foto sichtbar sein soll. Zu kompliziert auch die Chatfunktion, um sich schnell auszutauschen. Dienste wie Twitter bspw. werden gar nicht erst in Betracht gezogen. Und da vielen Jugendlichen durchaus die Gefahr des ‚Das-Internet-vergißt-nie‘ bewußt ist, suchen sie nach Alternativen.

Beispiel Snapchat: Radikale Nutzerorientierung
Und hier kommen die derzeit boomenden Messaging Apps ins Spiel. Anna (12 Jahre) und Katharina (15 Jahre) lieben Snapchat und WhatsApp, Instagram und Weheartit. Sie lieben es, mit der Foto-Messaging-App Snapchat Fotos zu machen, auf diese zu kritzeln oder kurze Nachrichten darauf zu schreiben. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – so genügt ein kurzer Snap und die beste Freundin weiß um die aktuelle Stimmungslage Bescheid. Weiß, wer sich heute abend wo trifft oder gibt Entscheidungshilfe, welches T-Shirt besser aussieht. Da das Bild nach ein paar Sekunden verschwindet, muss sich keiner um eine möglichst gute Selbstinszenierung Gedanken machen (außer der Empfänger macht einen Screenshot). Snapchat funktioniert damit ähnlich wie ein flüchtiges, persönliches Gespräch, das auch nach ein paar Momenten vorbei ist. Und da Anna und Katharina sehr selektiv in der Auswahl ihrer Snapchat Freunde sind, sieht nur ein ausgewählter, persönlich bekannter Kreis die Fotos. Für Snapchat gilt aber natürlich wie insgesamt im Umgang mit den sozialen Medien, Kinder und Jugendliche müssen frühzeitig auf mögliche Gefahren hingewiesen und für den richtigen Umgang sensibilisiert werden. Letztendlich ist Snapchat an sich weder gut noch schlecht (Stichwort: Sexting), es kommt darauf an, wie es verwendet wird.

Snapchat Teen Communication aquarius.biz 2014.pptx

IMG_2714

 Schneller Austausch via Snapchat

Snapchatting: Integration von Text und Video
In einem Interview ‚The Verge‘ gegenüber sprach der 23-jährige Gründer und CEO Evan Spiegel über die Ziele, die Snapchat verfolgt. Dabei geht es um den ‚real talk‘ – Gespräche sollen sich also möglichst ‚echt‘, möglichst real anfühlen, so als wäre man am gleichen Ort: „Digital spaces with the same immediacy and ephemerality we get in real world conversations.“ In letzter Zeit häuften sich allerdings die Datenprobleme und Sicherheitsbedenken. Gleichzeitg wächst der Konkurrenzdruck. Zahlreiche neue Apps, die auch auf Kurzzeitigkeit und Vergänglichkeit setzen wie etwa ChatApp, zielen auf die jungen Leute. Aktuell erweiterte Snapchat daher seine Foto-Sharing Funktionalität um einen Instant Messenger und Video-Telefonie und macht damit Facebook und WhatsApp Konkurrenz. Interessant für Brands: Seit Einführung sog. ‚Snapchat Stories‚ können Bilder und Videos über einen Zeitraum von 24h gespeichert und einem größeren Kreis an Freunden zugänglich gemacht werden.

Snapchat macht mit neuen Features Facebook und WhatsApp Konkurrenz

Das enorme Wachstum der Messaging Apps
Noch ist Snapchat im Vergleich zu Facebook eine Nische und hierzulande weit weniger verbreitet als in den USA. Durchschnittsalter: 18. Hauptnutzerinnen: Weiblich. Die Anzahl der MAUs, der monatlich aktiven, Nutzer liegt laut Schätzungen weltweit bei rund 200 Mio. Zum Vergleich: WhatsApp zählt mittlerweile rund 500 Mio. aktive Nutzer. Seit dem Kauf durch Facebook sind rund 70 Mio. dazugekommen. Laut Angaben von WhatsApp werden täglich mehr als 700 Mio. Fotos und 100 Mio. Videos verschickt .

 

Wachstum Messaging Apps 2010 bis 2014

Ein mittlerweile hochkompetitives Umfeld: Der Messenger Markt
Quelle: Business Insider, 2014

Fazit: Snapchat mag nur ein kurzfristiger Trend sein. Und auch das Kommunikationsverhalten von Teenagern wird sich über die Jahre sicher verändern. Doch die Dynamik liegt bei Smartphone-Anwendungen. Schneller als jemals zuvor entstehen neue Dienste und schneller als jemals zuvor werden enorme Reichweiten erreicht. Taucht man jenseits aller Studien tiefer in die Kommunikation Jugendlicher und ihrer Peergroups ein, wird klar: Ihre digitale Lebenswelt dreht sich um ein mobiles Device und das ist das Smartphone. Und: Messaging Apps werden die digitale Kommunikation komplett verändern. Wollen Brands hier eine Rolle spielen, müssen sie rechtzeitig adäquate Strategien entwickeln.

0 Kommentare

Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Wir setzen Cookies ein, um die Nutzung unserer Webseite zu analysieren und um Webseitebesuchern auf anderen Webseiten Werbung abhängig von deren Nutzungsverhalten anzuzeigen. Bitte klicken Sie auf „OK“, wenn Sie mit den vorher beschriebenen Verfahren einverstanden sind. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen