Case Study: Wie die Süddeutsche Zeitung mit Virtual Reality junge Zielgruppen erreichen will

Case Study: Wie die Süddeutsche Zeitung mit Virtual Reality junge Zielgruppen erreichen will
15.11.2016 Dr. Nikola Bachfischer
vr-reportagen-der-sz

Verlage stehen vor der gewaltigen  Aufgabe, die junge Generation an sich zu binden. Diese verbringt nicht weniger als 49 Tage im Jahr mit ihrem Handy, schaut durchschnittlich 88mal pro Tag auf den Bildschirm. Nicht weniger atemberaubend ist die zunehmende Relevanz von Bewegtbild. Global betrachtet verbringen laut aktueller TNS Studie ‚Connected Life‘ Millennials zwei Stunden täglich mit dem Ansehen von Youtube-Videos, Video-on-demand oder sonstiger TV-Nutzung via Internet. Seit Olympia 2016 geht die Süddeutsche Zeitung neue Wege, um diesem geänderten Medienverhalten gerecht zu werden und Geschichten auf neue Art via Virtual Reality zu erzählen.

Ausgewählte Reportagen in VR oder als 360° Video

Die erzählten Geschichten lassen sich auf verschiedene Art und Weise erleben: Mit einer VR-Brille, auf dem Smartphone oder am Computerbildschirm. Das Ziel: Der Leser bewegt sich durch die Schauplätze der Handlung, er trifft die Protagonisten, er steht mitten im Geschehen. Die jüngste Reportage ist ein 360° Video auf der Bühne mit den Münchener Philharmonikern und ihrem Dirigenten Valery Gergiev bei den Proben zu Anton Bruckners Symphonie Nr. 6. Die Virtual Reality Version des Videos kann mit der App SZ VR abgerufen werden. Dort kann der Zuseher selbst bestimmen, von welchem Standort im Orchester aus er die Probe verfolgen möchte. Dafür wurde mit vier Kameras gedreht, die jeweils einen Blickwinkel von 360° haben. Die Tonspuren wurden der Perspektive angepasst.

Virtual Reality Probe der Münchner Philharmoniker in 360°

Virtual Reality Reportage über die Proben der Münchener Philharmoniker vermittelt immersiven Einblick
Bild: Süddeutsche Zeitung

Interessant ist diese Kooperation auch für das beteiligte Orchester. Denn während Proben bisher eher unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfanden, öffnet sich das Orchester nun und erlaubt einen Blick auf die Entstehung. Gerade dieser Blick hinter die Kulisse erleichtert es möglicherweise auch, ein jüngeres Publikum anzusprechen, das den Weg in ein klassisches Konzert sonst nicht mehr findet. Das Orchester bewarb damit gleichzeitig sein Festival MPHIL 360°, das an drei Tagen alle Symphonien und Klaviersonaten Prokofjews in der Philharmonie aufführte, und der Verlag verbindet seine Virtual-Reality-Reportagen mit einer Abo-Aktion: Wer ein vierwöchiges Probe-Abo für 19,99 abschließt, bekommt ein Cardboard dazu. In Verbindung mit einem Smartphone können sich die Leser damit eine VR-Brille basteln. Die Intention beider Partner: Information und subjektives Erleben werden zu einer ganz neuen Art des Medienkonsums kombiniert.

Fazit

Es wird nicht einfacher für Medien wie den Süddeutschen Verlag: Einerseits gibt es immer mehr Plattformen, die sehr spezifisch und damit aufwändig bearbeitet werden müssen, andererseits diversifiziert sich das Mediennutzungsverhalten gerade der jungen Nicht-Mehr-Zeitungsleser immer weiter. Der Ansatz, Geschichten über Virtual Reality zu erzählen, erlaubt nun einen vollkommen neuen Zugang zu diesen jungen Kundengruppen und ermöglicht der SZ herauszufinden, was bei den jungen Zuschauern ankommt und für welche Themen diese Art von Medium geeignet ist. Interessant dabei könnte v.a. sein, dass Virtual Reality hier einen Einblick in bis dato unzugängliche ‚private‘ Momente erlaubt. Eine Privatheit, die nicht auf Perfektion setzt und die via Social Media mittlerweile schon gewohnt ist.

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